Chinas Emissionen rasant angewachsen
(heise) China erweist sich immer mehr als neuer Motor der Weltwirtschaft, aber das hat seinen Preis: Die chinesischen Treibhausgasemissionen sind trotz aller guten Absichten und Maßnahmen der Regierung 2009 schneller denn je gestiegen. Während in den Industrieländer der CO2-Ausstoß krisenbedingt zurückging, nahm er in der Volksrepublik um neun Prozent zu.
Das geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hervor, die sich auf Daten des Ölkonzerns BP beruft. 7,5 Milliarden Tonnen des bei der Verbrennung von Kohle und Erdölprodukten anfallenden Gases wurden 2009 aus chinesischen Kohlekraftwerken und Abgasrohren in die Luft gepustet. Das ist fast neunmal so viel wie in Deutschland. Allerdings werden hierzulande pro Kopf und Jahr noch immer rund zehn Tonnen CO2 produziert, in China hingegen nur sechs Tonnen.
Global sind die Emissionen 2009 aber erstmals seit vielen Jahren zurückgegangen, und zwar um 1,1 Prozent auf 31,13 Milliarden Tonnen. In den USA, die von China erst vor zwei oder drei Jahren überholt worden, nahmen sie zum Beispiel von 6,5 Millionen auf 5,9 Millionen Tonnen ab.
Nick Robins, der sich bei der britischen, stark in China engagierten Bank HSBC um Klimapolitik kümmert, weist im Interview mit Reuters darauf hin, dass die USA in puncto historischer Emissionen immer noch weit vor China liegen. Diese haben wesentlich dazu beigetragen, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre von ca. 270 Millionstel Volumenanteilen (ppm) vor Beginn der Industrialisierung auf inzwischen rund 380 ppm angewachsen sind. Außerdem, so Robins, habe China sich bereits dazu verpflichtet, die Emissionsintensität seiner Wirtschaft bis 202 um 40 bis 45 Prozent gegenüber dem Niveau von 2005 abzusenken, während die USA immer noch keine Klimaschutzgesetzgebung verabschiedet haben.
Ansonsten zeigen die BP-Statistiken, dass sich die Gewichte zunehmend in Richtung der Schwellenländer verlagern. Deren Emissionen wären um fünf Prozent gewachsen, während jene der Industriestaaten um über sechs Prozent zurückgingen. Der tägliche Weltölverbrauch sei im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen, und zwar um 1,2 Millionen Barrel pro Tag. Der Verbrauch von Kohle, Chinas wichtigste Energiequelle, blieb im globalen Maßstab konstant.
Unterdessen will die chinesische Führung dem zu raschen Anstieg der Emissionen offenbar mit drastischen Mitteln begegnen, wie der Sydney Morning Herald berichtet. Ende Juli soll eine Liste aller Unternehmen veröffentlichen werden, die sich nicht an die vorgegebenen Ziele zur Steigerung der Energieeffizienz halten. Zum Ende des dritten Quartals würden diese dann geschlossen werden. In der Diskussion ist auch, Steuerbegünstigungen für die Exportindustrie abzuschaffen oder auszusetzen.
Im Visier der chinesischen Ökonomen sind vor allem Kohlekraftwerke, Kokereien, Stahlwerke und die Hersteller von Aluminium und anderen Metallen. Nach dem im letzten Jahr das Konjunkturpaket der Regierung unter anderem einen deutlichen Anstieg der Stahlproduktion bewirkt hatte, ist diese in letzter Zeit schon etwas zurückgegangen. Auch der Bedarf an elektrischer Energie ging von April auf Mai leicht zurück, liegt aber immer noch rund 20 Prozent höher, als ein Jahr zuvor.
Die Motive für die neue Energiesparkampagne sind vielfältig. Im Vordergrund steht die Angst, sich von Energieimporten abhängig zu machen. Selbst Kohle muss das Land inzwischen importieren. Daneben spielt auch der Klimaschutzgedanke eine Rolle und das Interesse, die chinesische Industrie technologisch voranzubringen. Chinas staatliche Planer führen immer mal wieder Kampagnen durch, um veraltete Industrien stillzulegen. Der durchschnittliche Wirkungsgrad chinesischer Kohlekraftwerke ist zum Beispiel daher inzwischen bereits höher als derjenige vergleichbarer Anlagen in den USA.
Quelle: heise.de




