Experten werten Klimaziel unterschiedlich
Bern (sda) Das Zwei-Grad-Ziel in der Klima-Vereinbarung von Kopenhagen wird von Klimaexperten unterschiedlich bewertet. Während der Schweizer Andreas Fischlin von einem wichtigen Schritt spricht, bezeichnet der Deutsche Hans von Storch die zwei Grad als politische Zahl.
Das Zwei-Grad-Ziel müsse sehr ernst genommen werden, sagte Andreas Fischlin, Spezialist für ökologische Systeme und Mitglied der Schweizer Delegation in Kopenhagen. Denn ein solches Bekenntnis sei zuvor noch nicht gemacht worden.
In der Klimakonvention habe man zwar festgeschrieben, dass die Erderwärmung auf einem ungefährlichen Niveau stabilisiert werden solle. Wie hoch das sein soll, sei aber bisher nie festgelegt worden, sagte der ETH-Professor in der "Samstagsrundschau" von Schweizer Radio DRS.
Bereits eine Erwärmung um zwei Grad würde empfindliche Systeme wie Korallenriffe massiv betreffen. Dasselbe gelte für Gletscher: Von diesen dürften in einigen Jahren nur noch 20 bis 25 Prozent vorhanden sein, sagte Fischlin. Bis zu einer Milliarde Menschen mehr würden unter Trockenheit leiden.
Der deutsche Klimaexperte Hans von Storch dagegen bezeichnete das Zwei-Grad-Ziel als politische Zahl. Die wissenschaftlichen Modelle könnten nicht unterscheiden zwischen den Folgen einer Temperaturerhöhung von zwei und einer von zweieinhalb Grad, sagte von Storch in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit dem "Bund".
Klar sei nur dies: "Je höher der Anstieg, desto schwieriger wird es für uns und die Ökosysteme, damit umzugehen, sagte von Storch. "Um politischen Druck auszuüben, hat man das, was man gerade noch erreichen kann, als das bezeichnet, was unbedingt erreicht werden muss. Da ist eine ganze Menge Spekulation zu endgültiger Wahrheit aufgemotzt worden."



