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Donnerstag, 23. April 09

Klimageschädigte treffen sich zum Krisengipfel

 

(news.de) Vertreter indigener Völker aus aller Welt versammeln sich in Anchorage (Alaska) zu einem Gipfeltreffen, um eine gemeinsame Stimme im Kampf gegen den Klimawandel zu finden. Das Ergebnis ihrer Beratungen soll im Dezember der Kopenhagener Weltklimakonferenz vorgelegt werden.

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Rund 400 Delegierte, darunter der bolivianische Staatspräsident Evo Morales, der aus einer Familie vom indigenen südamerikanischen Volk der Aymara stammt, versammeln sich zum Klimawandel-Gipfeltreffen in Alaska. Hauptziel des Klimagipfels ist die Ausarbeitung gemeinsamer Standpunkte und Empfehlungen, wie indigene Gruppen ihre Teilhabe an klimapolitischen Entscheidungen und Gremien verbessern und konzertiert aufs internationale Podium bringen können.

 

Während die Volksvertreter aus der ganzen Welt in der größten Stadt Alaskas zusammenkommen, um über ihre Rolle in der Klimadebatte zu konferieren, werden andernorts in Alaska schon die ersten Inuit-Dörfer wegen lebensbedrohender Klimaschäden umgesiedelt. Rund 800 Kilometer östlich des Veranstaltungsortes liegt Newtok, zu traurigem Ruhm gelangt als erstes Dorf der Welt, das aufgrund veränderter Umweltbedingungen umgesiedelt werden muss – höhere Durchschnittstemperaturen, auftauender Permafrostund Erosion durch stärkere Schmelzwasser-Abtragungen haben Gebäude und Infrastruktur zerstört und die abgeschiedene Ortschaft unbewohnbar gemacht.

 

An Kosten für den Zwangsumzug in eine 15 Kilometer entfernte höhere Lage werden achtstellige Dollarbeträge erwartet, ein deprimierender Rekord und noch ein juristischer Sonderfall. Denn andere Dörfer werden bald folgen müssen (siehe Der Spiegel 24/2008. Dutzende andere Siedlungen wie Kivalina am nördlichen Rand der Beringstraße gelten als ähnlich bedroht.

 

Somit bündeln sich in Anchorage die unterschiedlichsten Interessen, Delegierte aus der ganzen Welt stimmen sich auf eine gemeinsame Linie ein. Am kommenden Freitag sollen zum Ende des Kongresses eine Abschlusskundgebung sowie ein Aktionsplan stehen – die «Anchorage-Erklärung», die als Empfehlung für die im Dezember in Kopenhagen stattfindende Neuverhandlung der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) der Vereinten Nationen dient.

 

Bei der Weltklimakonferenz 2007 in Bali ist schon vereinbart worden, dass die Nachfolgeregelung für das 2012 auslaufende Kyoto-Klimaabkommen noch in diesem Jahr getroffen werden soll. Die am Treffen beteiligten Klimaopfer-Sprecher streben an, dass sie im Kyoto-Nachfolgeprozess auch offizielle Beraterposten in den Klimagipfelgesprächen zugesprochen bekommen. Denn obwohl sie den geringsten Beitrag zu den Umweltveränderungen beigesteuert hätten, seien sie oft am direktesten von den Auswirkungen betroffen, sagte die Vorsitzende des Inuit-Polarrats (Inuit Circumpolar Council), Patricia Cochran, zu Beginn der von der Uno unterstützten Konferenz.

 

Indigene Gemeinschaften und deren Lebensräume seien von den Folgen von globaler Erwärmung und Klimawandel besonders betroffen, hatte auch der Weltklimarat IPCC festgestellt. Die meisten indigenen Völker würden in denjenigen Gegenden leben, die nach den IPCC-Berichten am stärksten betroffen seien, namentlich in der Arktis, der Karibik und im brasilianische Amazonasgebiet, sagte Sam Johnston, ein Sprecher der Uno-Universität in Tokyo, einem der Sponsoren des Anchorage-Gipfels.

 

Doch keinesfalls soll in Anchorage nur die Opferrolle der Lokalisten-Lobbyisten herausgekehrt werden – schließlich gehe es vor allem um das Selbstverständnis und die Anerkennung indigener Gruppen als Experten und Meinungsführer in der Klimadebatte, so Polarrats-Vorsitzende Cochran. Mit deren Beteiligung sei jeder Klima-Dialog und jede Verhandlung weitaus gehaltreicher und produktiver, sagte sie anlässlich der Eröffnung des Klimagipfels.

 

«Wir haben jahrhundertealte Erfahrungen in der Anpassung an Umweltbedingungen – und durch unsere traditionellen Lebensweisen zudem extrem niedrige CO2-Bilanzen», sagte im Vorfeld auch Victoria Tauli-Corpuz, Vorsitzende des Ständigen Forums für Indigene Angelegenheiten der Uno. Sie sprach sich ebenfalls für einen festen Indigenen-Vertreter in den Weltklimagremien aus – doch leider habe sich bislang keine Einzelregierung bereit erklärt, sich hierfür innerhalb der Klimarahmenkonvention einzusetzen, so Tauli-Corpuz gegenüber dem lateinamerikanischen Informationsdienst Tierramérica.

 

Quelle: news.de