Klimawandel: CO2-Ausstoss muss bis 2050 halbiert werden
Zürich (sda) Um gefährliche Folgen zu vermeiden, muss der weltweite CO2-Ausstoss bis ins Jahr 2050 halbiert werden. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe mit Beteiligung der ETH Zürich im Fachmagazin "Nature".

In einer ersten Studie untersuchten Forscher, welche Menge Treibhausgase bis 2050 in die Atmosphäre entlassen werden kann, ohne dass das Risiko einer Erwärmung um mehr als 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu hoch wird. Für dieses "2°C-Ziel" haben sich über 100 Länder ausgesprochen, wie die ETH Zürich mitteilte.
Das Resultat: Um eine 75-prozentige Chance zu haben, dass die Erwärmung 2 Grad nicht übersteigt, dürfen vom Jahr 2000 bis 2050 etwa 1000 Milliarden Tonnen CO2 ausgestossen werden. Das scheine eine riesige Zahl, schreibt die ETH. Doch seit dem Jahr 2000 wurde etwa ein Drittel dieses Kontingents bereits verbraucht.
Rückgang ungenügend
"Dass die schweizerischen Treibhausgasemissionen 2007 gegenüber 1990 um 2,7 Prozent zurückgegangen sind, ist sicher erfreulich, aber der CO2-Ausstoss muss bis 2050 global mindestens halbiert werden", wird Studien-Mitautor Reto Knutti vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich im Communiqué zitiert.
Nötig sei eine rasche Abkehr von den fossilen Brennstoffen, sagte der Leiter der Studie, Malte Meinhausen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Man dürfe nicht vergessen, dass ein Anstieg um 2°C weit hinausgehe über die Temperaturschwankungen, welche die Menschheit in ihrer Geschichte erlebt habe.
Die Forscher berechneten auch, wie viel Treibhausgas freigesetzt würde, wenn die Menschheit sämtliche Erdöl-, Gas- und Kohlereserven verbrennen würde. Diese Menge ist um ein Vielfaches grösser, als was das Klimasystem verträgt. Die Studie widerlege die Idee, die fossilen Brennstoffe könnten ausgehen, bevor die Klimaerwärmung eintritt, schreibt die ETH.
Auf die Summe kommt es an
In einer zweiten Studie zeigen Wissenschaftler aus England, dass es nicht relevant ist, zu welchem Zeitpunkt die Rohstoffe verbrannt werden. Weil Kohlendioxid über Jahrhunderte in der Atmosphäre bleibt, ist der totale Ausstoss entscheidend. "Jede Tonne CO2 ist eine Tonne CO2", schreibt die ETH - egal ob heute freigesetzt oder in 20 Jahren.
In einem gemeinsamen Kommentar weisen die Forscher darauf hin, dass in der politischen Diskussion um Reduktionsziele, CO2-Steuern und Emissionszertifikate eine simple Tatsache oft vergessen werde: Die totale "erlaubte" Menge an CO2-Ausstoss ist begrenzt.
Handlungsspielraum behalten
"Mit jedem Jahr Verzögerung zehren wir mehr von unserem Emissionsbudget, schränken unseren Handlungsspielraum weiter ein und erhöhen das Risiko gefährlicher Auswirkungen", sagt Knutti. Nur rasche Massnahmen könnten dies verhindern.
David Frame von der Universität Oxford, der an beiden Studien beteiligt war, sieht in den neuen Studienresultaten auch eine Chance. "Mit der Menge CO2, welche die Atmosphäre maximal aufnehmen kann, können wir Regierungen und Industrie eine einfache und klare Zahl liefern für die langfristige Planung."



