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Freitag, 06. Februar 09

Lawinenwinter 1999 im Berner Oberland

Autor: Therese Hänni, SDA

Bern (sda) Vor zehn Jahren versank das Berner Oberland im Schnee, Lawinen brachten Tod und Verwüstung, ganze Täler waren tagelang von der Aussenwelt abgeschnitten. So etwas hatten auch hartgesottene Bergler noch kaum erlebt.

Lawinenwinter 1999 - er veränderte die Katastrophenvorsorge (c)Schneider

Als es in den letzten Januartagen zu schneien begann, ahnte noch

niemand, wie dramatisch sich die Situation zuspitzen würde. Die

intensiven Schneefälle hielten jedoch an und bald lag der Schnee in

den Bergen meterhoch.

 

In Mürren etwa, auf 1600 Meter über Meer, betrug die

aufsummierte Neuschneemenge im Februar fast sechs Meter, wie der

Kanton später in einem Bericht vermerkte.

 

Tote in Wengen

 

Dann der Schock: In der Nacht auf den 8. Februar donnert vom

Westhang des Tschuggen hoch über Wengen eine Lawine hinunter auf

das "Café Oberland" am Ortsrand. Das einheimische Besitzerehepaar

konnte nur noch tot aus den Schneemassen und Trümmern geborgen

werden.

 

In den kommenden Stunden und Tagen häuften sich die Meldungen

über Lawinenabgänge im ganzen Berner Oberland. Auch wo seit

Menschengedenken keine "Loui" mehr gekommen war, stürzten plötzlich

die Schneemassen zu Tal. Strassen und Schienen wurden verschüttet,

Brücken weggerissen und Häuser, Scheunen und Ställe beschädigt und

zerstört.

 

Eilig wurden Verkehrswege gesperrt, bedrohte Häuser, ja ganze

Dorfteile und Weiler evakuiert. Über 1700 Personen mussten ihre

Häuser verlassen. Manche Dörfer konnten nur per Luftbrücke versorgt

werden. Zu hunderten wurden Touristen ausgeflogen. Krisenstäbe,

Strassen-, Bahn- und Pistendienste standen im Dauereinsatz.

 

Erst gegen Anfang März begann sich die Lage zu entspannen. Nun

frassen sich schwere Baumaschinen durch die meterhohen Schnee- und

Schuttkegel. Die Aufräumarbeiten sollten noch Wochen dauern.

 

Aufs Existenzielle reduziert

 

Die Oberhasler Regierungsstatthalterin Yvonne Kehrli-Zopfi

erinnert sich heute vor allem an die grosse Solidarität mit

der betroffenen Bevölkerung, wie sie in einem Interview mit dem

"Berner Oberländer" sagte. Und an die Langsamkeit, die plötzlich

mit dem Erliegen der Mobilität Einzug hielt.

 

"Die Leute wurden sich bewusst, wie schnell man sich aufs

Existenzielle reduzieren kann", blickte Kehrli zurück.

 

Nach den Lawinen das Hochwasser

 

Doch mit dem Lawinenwinter war der Schrecken noch nicht

ausgestanden. Die ungeheuren Schneemengen in den Bergen sorgten im

kommenden Frühjahr zusammen mit starken Niederschlägen für

verheerende Hochwasser mit Millionenschäden.

 

Die vermeintlich gebändigte Natur zeigte einmal mehr ihr

gewaltiges, rohes und unberechenbares Gesicht. Vielen wurde erst

recht bewusst, mit welcher Leichtigkeit sich die Natur über die ihr

von Menschenhand gesetzten Schranken hinwegsetzen kann.

 

Mit einem Mal rückten Klima- und Umweltschutzfragen stärker ins

Rampenlicht. Die bisher angenommenen Worst Case-Szenarien mussten

revidiert werden.

 

Die Unwetter von 2005, die in Brienz Tote forderten, und jene von

2007, die bröckelnden Felsen am Eiger oder die Bedrohung durch

auslaufende Gletscherseen zeigen, dass die Fragen seit dem

Lawinenwinter 1999 nichts von ihrer Aktualität eingebüsst haben.