Mini-Kompromiss und Vertrösten auf später beim Klimagipfel
Kopenhagen (sda/afd/dpa/rtd) Der Klimagipfel in Kopenhagen hat nach zwei Wochen mit einem mageren Resultat geendet: Die 193 Staaten nahmen am Samstag die unverbindliche Kopenhagen-Vereinbarung zur Kenntnis. Rund 25 Länder hatten sie ausgehandelt. Entwicklungsländer lehnten ab.
Die Kopenhagen-Vereinbarung enthält nur vage Klimaschutzziele: Mit Blick auf die Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad bezeichnet das Dokument die deutliche Senkung des Treibhausgas-Ausstosses als erforderlich - konkreter wird die Vereinbarung nicht. Die Industrieländer sollten nationale Klimaschutzziele vorlegen.
Für den Klimaschutz und die Anpassung an Klimafolgen sollen die Entwicklungsländer dem dreiseitigen Papier zufolge in den kommenden drei Jahren 30 Milliarden Dollar bekommen. Ab 2020 sollen die Industriestaaten jährlich 100 Milliarden Dollar bereitstellen.
Marathonsitzungen
US-Präsident Barack Obama hatte die Vereinbarung im Wesentlichen mit China, Indien, Südafrika und der EU in Marathonsitzungen hinter verschlossenen Türen ausgehandelt. Dieses Vorgehen und auch die Vereinbarung selbst löste bei einer Gruppe armer Länder wie Sudan, Kuba, Venezuela oder der Inselstaat Tuvalu heftige Kritik aus.
Sie und andere verweigerten die Zustimmung zum Kompromiss, weil die Klimaschutzziele aus ihrer Sicht zu wenig ehrgeizig sind. Aus diesem Grund konnten die über 190 Teilnehmerstaaten der Konferenz den Text in ihrer Gipfelerklärung lediglich zur Kenntnis nehmen.
Der sudanesische Chef-Unterhändler und Sprecher der Entwicklungsländer (G77), Lumumba Stanislaus Di-Aping, erklärte, das Abkommen bedeute den Tod vieler Afrikaner und zog einen Vergleich zum Holocaust. Ob solcher Kritik trat der dänische Ministerpräsident Lars Loekke Rasmussen als Konferenzleiter zurück.
Hoffen auf 2010
Im nächsten Jahr soll der Kompromissvorschlag in die bestehenden UNO-Texte zur Klimarahmenkonvention und zur Weiterentwicklung des Kyoto-Protokolls eingearbeitet werden. Die nächste Klimakonferenz soll im Dezember 2010 in Mexiko stattfinden. Bereit im Juni treffen sich die Umweltminister in Bonn.
US-Präsident Obama erklärte, es sei "noch ein weiter Weg" beim Kampf gegen den Klimawandel. "Wir sind einen Schritt vorangekommen, ich hätte mir aber mehr Schritte gewünscht", sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Als "guten Start" bezeichnete UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon die Vereinbarung.
UNO-Klimachef: Kopenhagen bahnt Weg nach vorn
Der Chef des UNO-Klimasekretariats, Yvo de Boer, wertet den Kopenhagener Gipfel als "Wegbereiter" für weitere Schritte der Weltgemeinschaft gegen den globalen Temperaturanstieg.
"Wir können jetzt mit der gewaltigen politischen Energie aus diesem Treffen nach vorn blicken", sagte De Boer zur der Einigung auf ein Kompromiss-Papier
Er erwarte bei den Klimakonferenzen des nächsten Jahres in Bonn und Mexico City die bindenden Klimavereinbarungen, die Kopenhagen nicht gebracht habe. "Natürlich habe auch ich vorher gehofft, dass wir das schon hier erreichen können."
Richtige Richtung
Die Schweiz könne das Papier akzeptieren, teilte das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) mit. Die Vereinbarung von Kopenhagen gehe in die richtige Richtung, bleibe aber hinter den gesteckten Zielen zurück. Die Schweiz hätte auch globale Reduktionsziele bevorzugt.
Umweltminister Moritz Leuenberger wertete das Resultat des Klimagipfels vor den Medien dennoch als Erfolg. Zwar sei kein verbindlicher Vertrag unterzeichnet worden. Die eingegangenen Verpflichtungen bedeuteten aber Fortschritt und Hoffnung im Kampf gegen den Klimawandel, sagte er.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hält den Gipfel für gescheitert. Die USA und die EU hätten sich zu wenig bewegt. Greenpeace Schweiz kritisierte, dass ohne definierte Massnahmen das Ziel, die Erderwärmung auf höchstens 2 Grad zu begrenzen, wertlos sei.



