Schweizer Klimaforschung ist international hoch angesehen
Bern (sda) Gemessen an ihrer Grösse gehört die Schweiz in der Klimaforschung zur Weltspitze. Mehrere einheimische Forscher leiten wichtige internationale Projekte. Doch es gibt auch Nachwuchssorgen.
Nur wenige Länder seien, gemessen an Grösse und Anzahl Forschenden, in der Klimaforschung produktiver als die Schweiz, sagte Martin Beniston, der Direktor des Instituts für Umweltwissenschaften der Universität Genf, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die Schweiz könne sich durchaus mit den USA oder England vergleichen.
Die Zentren der Schweizer Klimapolitik liegen an der ETH Zürich, der Universität Bern und in Genf. Eine grosse Stärke der Schweiz sei die lange Tradition in Klimamessungen, sagte Beniston. Diese Daten hätten es erlaubt, den Zusammenhang zwischen menschlichen Aktivitäten und ungewöhnlichen klimatischen Schwankungen nachzuweisen.
An der Spitze von EU-Projekten
Eine andere Schweizer Spezialität ist laut Beniston die Simulation: So können zum Beispiel die Konsequenzen von Stürmen in Zeiten der Klimaerwärmung antizipiert werden. Dieses Wissen bilde die Grundlage, um wirtschaftliche, politische und technologische Entscheide zu treffen, sagte Beniston.
Diese Stärken erlauben es der Schweiz, in diversen internationalen Projekten mitzumachen. Beniston und seine Mitarbeiter haben zum Beispiel die Leitung von zwei wichtigen europäischen Projekten erhalten. Das Budget dafür beläuft sich auf mehr als 20 Millionen Franken.
Beim einen der EU-finanzierten Projekt, "Acqwa", geht es laut Beniston um die Zukunft der Wasservorkommen in Berggebieten. Das andere, "EnviroGrids", untersucht Methoden zur nachhaltigen Entwicklung im Einflussbecken des Schwarzen Meeres.
Westschweizer Nachwuchssorgen
Auch wenn die Klimaforschung boomt, plagen die Wissenschaftler doch Sorgen. In der Westschweiz gebe es Nachwuchsprobleme, sagte Beniston. Zwar sei das Interesse von Studenten gross. Aber es fehlten die Ausbildungsmöglichkeiten. Nur die ETH Zürich und die Uni Bern böten seit 2006 Klimakurse an.
In Genf beabsichtigt die Universität nun, ein Ausbildungsangebot in Atmosphärenwissenschaften einzuführen, das sich an Physiker richtet, wie Beniston sagte. Diese Kombination erlaube es Forscher auszubilden, die auf Klimasimulationen spezialisiert seien.
Ökonomen und Politologen
Insgesamt finden sich momentan rund 550 Forscher, die mindestens einen Doktortitel innehaben, in der Datenbank von ProClim, dem Schweizer Forum für Klima und Globale Umweltveränderungen, wie Christoph Ritz, Geschäftsführer von ProClim, sagte.
Darunter befinden sich neben Klimatologen auch Ökonomen, Politologen oder Ingenieure, die sich mit Klimafragen befassen. ProClim erleichtert den Austausch zwischen ihnen. Der Vorteil dabei sei, dass die Schweiz ein kleines Land sei, sagte Ritz. "Die Forscher kennen einander."
Mit Science-Fiction gegen die Erderwärmung
Sonnenschirme im Weltall oder Umwälzpumpen im Meer: Geoingenieure haben viele Ideen, um gegen die Klimaerwärmung und ihre Auswirkungen zu kämpfen. Der Ansatz ist aber umstritten - und in der Schweiz interessieren sich nur wenige Forscher dafür.
Mit den riesigen Sonnenschirmen im All könnte die Strahlungsenergie reduziert werden, die auf die Erde gelange, schreibt das Schweizer Forum für Klima und Globale Umweltveränderungen, ProClim, in einem Artikel vom Mai 2008. Allerdings würde es mehrere Billionen Franken kosten, um mit dieser Idee die Klimaerwärmung aufzuhalten.
Mit Umwälzpumpen hoffen Geoingenieure, die CO2-Aufnahmefähigkeit des Meeres zu erhöhen. Einen ähnlichen Effekt versprechen sich einige Forscher von einer Meeresdüngung mit Eisensulfat. Allerdings könnten beide Varianten die Artenvielfalt in den Ozeanen gefährden.
Die Anhänger des so genannten Geoengineerings betrachten solche Möglichkeiten als Ergänzungen zur Reduktion des CO2-Ausstosses. Die Gegner befürchten, dass damit die aktuellen Ziele der Klimapolitik untergraben werden und dass die zum Teil futuristisch anmutenden Massnahmen ungeahnte Risiken bergen.
Die meisten Schweizer Forscher stünden dem Geoengineering skeptisch gegenüber, sagte Thomas Peter vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich auf Anfrage. Er selber glaube aber, dass es verantwortungslos wäre, diese Ideen nicht zu prüfen. International gehe die Tendenz eher in Richtung Akzeptanz der Erforschung des Geoengineerings.




