Studie: Jährlich 300'000 Klimawandel-Tote weltweit
(sda) An den Folgen des Klimawandels sterben nach einer Studie bereits jetzt 300'000 Menschen pro Jahr. Am Montag beginnen in Bonn die Verhandlungen um ein neues Klimaschutzabkommen mit 3000 Teilnehmenden, einschliesslich einer Schweizer Delegation.

Unter der Erderwärmung leiden weltweit 300 Millionen Menschen, dazu verschlingt sie fast 90 Milliarden Euro Folgekosten pro Jahr. Das geht aus einem Bericht zu den Auswirkungen des Klimawandels hervorgeht, den der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan am Freitag in London vorstellte.
Annan bezeichnete den Klimawandel als "grösste Herausforderung der Menschheit unserer Zeit". In der Abschlusserklärung der mehrtägigen Konferenz, zu der Thronfolger Prinz Charles nach London eingeladen hatte, pochten Wissenschaftler darauf, bis 2050 den weltweiten Ausstoss von Treibhausgasen zu halbieren.
Dem Bericht zufolge werden 2030 schon 660 Millionen Menschen von den Folgen des Klimawandels betroffen sein, etwa weil sie ihre Häuser durch Unwetter verlieren oder weil sie unter Wasserknappheit, Hunger oder Krankheiten leiden. Um 2030 wird der Klimawandel der Prognose zufolge weit mehr als 200 Milliarden Euro pro Jahr kosten.
Verhandlungsauftakt
An den am Montag beginnenden Bonner Verhandlungen sollen die Delegierten über erste Entwürfe der Vertragstexte diskutieren, wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in einer Mitteilung vom Freitag schreibt. Ziel ist es, im Dezember 2009 in Kopenhagen ein Vertragswerk als Nachfolger des Kyoto-Protokolls zu beschliessen.
Zur Debatte stehen in Bonn etwa der Umgang mit Wald als CO2-Speicher und Belohnungen für Entwicklungsländern für den Verzicht auf das Abholzen. Auch die flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls wie der Emissionshandel und Klimaschutz-Zertifikate aus Entwicklungsländern sollen diskutiert werden.
Nachfolge-Vertrag gesucht
Das Kyoto-Protokoll, das den Treibhausgasausstoss der entwickelten Länder reduzieren soll, ist nur noch bis 2012 gültig. Im neuen Klima-Vertrag soll es laut BAFU um globale und spezifische Reduktionsziele und um an den Klimawandel angepasste Massnahmen gehen.
Zudem werde es um Technologietransfer und die Finanzierung von Reduktions- und Anpassungsmassnahmen in Entwicklungsländern gehen. Die 192 Mitgliedstaaten wollten die UNO-Klimakonvention zudem um eine Vision für das Jahr 2050 erweitern.
Der Bundesrat hatte im Mai im Rahmen des neuen Schweizer CO2-Gesetzes ein Reduktionsziel für die Schweiz von "mindestens 20 Prozent und eventuell bis 30 Prozent gegenüber 1990" für die Schweiz festgelegt. Die Schweizer Delegation erwarte von anderen Industrieländern ähnliche Angebote.


