Unterschiedliche Vorstellungen über Schweizer Klima-Ziele
Bern (sda) Die Urteile in der Schweiz über den Klimagipfel sind geteilt. Parteien und Organisationen sind sich einig, dass das Klimaproblem nur international zu lösen ist. Darüber, welche Schritte die Schweiz von sich aus unternehmen sollte, gehen die Meinungen auseinander.
Die einzelnen Staaten seien nun gefordert, dass mindestens der beschlossene Minimalkonsens eingehalten werde, schreibt die SP in einer Mitteilung. Für die Schweiz fordert die Partei eine Absenkung des CO2-Ausstosses um mindestens 30 Prozent bis 2020. Die SP setzt dabei auf ihre Initiative "Neue Arbeitsplätze dank erneuerbaren Energien", die sie Anfang nächstes Jahr lancieren will.
Auch die FDP bedauert, dass in Kopenhagen keine verbindlichen Ziele festgelegt werden konnten. Für die Schweiz spricht sich die Partei für eine CO2-Reduktion um 20 Prozent aus, allerdings nur im Zusammenhang mit einem internationalen Abkommen, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Das Klimaproblem könne nur in internationaler Kooperation gelöst werden.
Dort sieht auch die CVP das Problem: Ein anderes Resultat sei in Kopenhagen nicht zu erwarten gewesen, wenn sich die USA und China nicht einigen könnten, sagte CVP-Sprecherin Alexandra Perina-Werz
Hohe Forderungen
"Extreme" Enttäuschung herrscht bei den Grünen, wie Parteipräsident Ueli Leuenberger auf Anfrage sagte. Die Partei stellt nun hohe Forderungen: Statt wie vom Bundesrat geplant eine Senkung des CO2-Ausstosses um 20 Prozent müsse die Schweiz 40 Prozent erreichen. Im Unterschied zu den Ländern des Südens habe die Schweiz das Geld und die Technologie, beim Klimaschutz voranzugehen.
Dies sieht SVP-Präsident Toni Brunner anders: Die wichtigsten Verursacher wie die USA, China oder Indien hätten ihren Beitrag nicht geleistet, sagte er auf Anfrage. Nun dürfe auch die Schweiz "nicht reinschiessen". "Wenn wir einseitig unsere Wirtschaft und den Verkehr belasten, verteuert dies die Binnenwirtschaft gegenüber dem Ausland."
Auch der Wirtschaftsdachverband economiesuisse steht auf die Bremse: Die Schweiz müsse wie bisher auf die bewährten Instrumente setzen und in Abstimmung mit dem Ausland handeln, forderte Urs Näf, Klimaspezialist bei economiesuisse. Die Forderung, bis 2020 den CO2-Ausstoss allein im Inland um 30 Prozent zu senken, sei zu extrem.
Alarm für das Klima
Greenpeace Schweiz kritisiert, dass ohne definierte Massnahmen das Ziel, die Erderwärmung auf höchstens 2 Grad zu begrenzen, wertlos sei. Die Schweiz müsse ihre CO2-Emissionen um 40 Prozent reduzieren, schreibt Greenpeace in einer Mitteilung.
In Zürich liessen Vertreter der Organisation am Nachmittag die Sirenen heulen. Rund ein Dutzend Greenpeace-Aktivisten in orangen Overalls zogen über das Limmatquai und die Bahnhofstrasse. Sie trugen ein Transparent mit der Aufschrift "Kopenhagen gescheitert - Alarm für das Klima" mit sich.



