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Sonntag, 20. Dezember 09

Winterchaos in Europa und USA - Züge stecken im Kanaltunnel fest

 

Hamburg (sda/dpa) Schnee und Kälte haben weite Teile Europas und der USA lahmgelegt: Im Eurotunnel zwischen Frankreich und Grossbritannien steckten 2000 Zugreisende fest. Die Ostküste der USA wurde von Schneestürmen heimgesucht, in Washington wurde Schnee-Notstand ausgerufen.

Als wolle das Wetter die Klimaerwärmung vergessen machen...

"Vieles deutet darauf hin, dass dies der grösste Sturm seit Jahren wird", erklärte Washingtons Bürgermeister Adran Fenty. US-Präsident Barack Obama landete nach seiner Rückkehr vom Weltklimagipfel aus Kopenhagen auf dem Militärflughafen Andrews Air Force Base in Maryland - gerade noch rechtzeitig, bevor der tief verschneite Platz geschlossen wurde.

 

Mehrere Bundesstaaten an der US-Ostküste von North Carolina bis Pennsylvania lagen unter einer teils ein Meter hohen weissen Decke. Auch die Metropolen Baltimore und Philadelphia waren blockiert. Schulen und Universitäten blieben geschlossen.

 

In den ländlichen Regionen waren Zehntausende Menschen ohne Strom. In den Supermärkten gab es leere Regale: Die meisten Menschen hatten wegen der angekündigten Schneestürme Hamsterkäufe gemacht, um sich mit Wasser und Lebensmitteln einzudecken.

 

Übernachten im Tunnel

 

Im Tunnel unter dem Ärmelkanal zwischen Frankreich und Grossbritannien führte eine Pannenserie beim Eurostar dazu, dass 2000 Passagiere in der Nacht zum Samstag einen Alptraum durchlitten: Sie brauchten bis zu 15 Stunden, ehe sie in London ankamen.

 

Vier Hochgeschwindigkeitszüge steckten fest, ein fünfter kroch nur langsam durch die Röhre, wie ein Eurostar-Sprecher in London sagte. Als die Züge aus der eisigen trockenen Luft im Norden Frankreichs in den etwa 25 Grad warmen und feuchten Tunnel fuhren, legte der Temperatursprung die Elektrik der Lokomotiven lahm.

 

Mitten im Weihnachtsverkehr wurde der Betrieb unter dem Ärmelkanal bis auf weiteres eingestellt. Wann wieder Züge auf der Strecke rollen, die London mit Paris und Brüssel verbindet, war zunächst unklar.

 

Zweistellige Minusgrade

 

Auch im polnischen Breslau (Wroclaw) standen die Züge vorübergehend still, der Frost hatte die noch vor dem Zweiten Weltkrieg gebaute Eisenbahnbrücke im Stadtzentrum beschädigt. Nach 16-stündiger Pause konnten die Züge jedoch in der Nacht zum Samstag wieder anrollen. Seit dem Beginn der Kältewelle Mitte dieser Woche erfroren in Polen acht Menschen.

 

Die Eiseskälte suchte auch Deutschland mit oft zweistelligen Minusgraden heim - am Funtensee in Bayern wurden minus 33,6 Grad gemessen. Fast überall lag Schnee. Auf glatten Strassen kam es zu weit mehr als tausend Unfällen mit vielen Verletzten und mindestens zwei Toten.

 

Italien befindet sich ebenfalls immer stärker im Griff von Eis und Schnee: Die Fährverbindungen zu den Äolischen Inseln im Süden blieben am Samstag eingestellt. Selbst die Insel Sizilien richtete sich auf Schnee in höheren Lagen ein. Auch die Lagunenstadt Venedig erwachte unter einer Schneedecke.