Umweltdirektor fordert industrielle Revolution
Bern (sda) Um die internationalen Zielvorgaben zur Reduktion von Treibhausgasen zu erreichen, muss die Schweiz wegkommen von fossilen Energieträgern. Das fordert Bruno Oberle, Direktor des Bundesamts für Umwelt. Dazu brauche es längerfristig eine industrielle Revolution.
"Wir müssen die Treibhausgasemmissionen auf eine bis zwei Tonnen pro Kopf und Jahr drücken", sagte Oberle in einem am Donnerstag in der "Neuen Zürcher Zeitung" veröffentlichten Interview. Heute liege der Ausstoss in der Schweiz zwischen sechs und sieben Tonnen.
Wenige Wochen vor der UNO-Klimakonferenz in Kopenhagen, wo ein Nachfolgeabkommen zu jenem von Kyoto erarbeitet werden soll, verteidigte Oberle auch die Schweizer Ziele. Das Land verpflichtet sich, im Vergleich mit 1990 den CO2-Ausstoss bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren. Beschliesst die EU eine Reduktion um 30 Prozent, will die Schweiz mitziehen.
"Das ist nach wie vor eines der besten Angebote", sagte Oberle. Japan und einige skandinavische Staaten gingen zwar etwas weiter, doch im Vergleich mit den Industrieländern könne sich die Schweiz durchaus sehen lassen.
Koordination mit EU sinnvoll
Die Schweiz weise unter den Industrieländern die tiefsten Emmissionen pro Kopf aus, was die für das Kyoto-Protokoll relevanten Treibhausgase betreffe. Nicht berücksichtigt würden dabei die so genannten grauen Emmissionen, welche die Schweizer durch den Handel im Ausland mitverantworten.
Diese seien aber politsch ein bedeutendes Thema, sagte Oberle. "Gemessen am Konsum verbraucht ein Schweizer genauso viel Klima wie ein Deutscher, das muss man sich bewusst sein."
Die Schweizer Haltung mit jener der EU zu koordinieren sei im Klimabereich sinnvoll, verteidigt Oberle die Schweizer Praxis. "Die Welt nimmt unseren Teil der Welt als Europäische Union wahr." Zudem sei die Schweiz politisch und wirtschaftlich stark mit der EU verbunden.
Bei den Klimaverhandlungen in Kopenhagen soll ein Fonds geäufnet werden, mit dem Klimaschutzmassnahmen in Entwicklungsländern finanziert werden. Die Schweiz rechnet laut Oberle damit, sich daran mit 40 bis 400 Millionen Franken pro Jahr zu beteiligen. Dazu kämen Anpassungsmassnahmen in den Bereichen Infrastrukturen, Tourismus, Energie, Gesundheit und Landwirtschaft, deren Kosten derzeit abgeklärt würden.




